Es folgten viele Stunden auf dem Pferderücken, bei denen wir Wald und Wiesen durchstreiften.

Irgendwann war es dann nicht mehr möglich dort reiten zu gehen und mein Fokus lag dann mehr darauf eine Berufslehre abzuschliessen.

Ich ging dann hie und dort noch reiten. Es war aber nirgend mehr so wie damals während meiner Kindheit.

Nachdem ich die Ausbildung zur Personalfachfrau abschloss und auf eine 10-jährige Pferdeabstinenz zurück blickte, entschloss ich mich dazu meinen sehnlichsten Kindheitstraum zu erfüllen und mir ein Pferd zu kaufen. Da ich als Kind schon von den schönen und edlen Vollblutarabern von meiner Reitlehrerin begeistert war, musste ich nicht lange überlegen. Mir war klar, dass es ein Vollblutaraber sein sollte.

Per Zufall stiess ich auf das Inserat einer Araberzüchterin. Nachdem ich Histany zweimal besuchte war ich zwar bankrott aber stolze Besitzerin einer 4.5 jährigen Vollblutaraberstute.

Histany hatte null Muskulatur und war mind. 100 kg zu dünn. Da für mich immer nur die Offenstallhaltung in Frage kam, stellte ich Histany bei einer Bauernfamilie in einen Offenstall. Leider hatte sie keine Chance bei den eher verfressenen Stallkollegen. Histany wurde immer dünner und ich musste sie in eine Box sperren. Dabei wurde sie für mich je länger je weniger handelbar.

Wie erwähnt, hatte ich zuvor 10 Jahre Pferdepause. Ich erwachte aus meiner Ponyhofillusion und merkte, dass ich keine Ahnung von Pferden habe. Ich wusste auch nicht wirklich, was ich denn nun mit Histany so anfangen sollte. Das ganze war wirklich sehr ernüchternd.

Das Glück kam mir sehr zu Gute und ich konnte einen Stall mieten. Dort hatte ich die Möglichkeit Histany in einem Offenstall zu halten. Ich befasste mich intensiv mit allem rund um das Pferd. Las viele spirituelle Bücher über Pferde, befasste mich mit der akademischen Reitkunst, etc. Da ich das Wesen Pferd aber trotzdem noch als unergründlich empfand, wollte ich mich auch mehr mit der Anatomie des Pferdes befassen. Im Kursprogramm vom Health Balance las ich über den Kurs Pferde Osteopathie. Ich wusste zwar nicht genau, was das ist, fand aber die Kursausschreibung sehr interessant.

Der Kurs war leider schon ausgebucht und ich kam auf die Warteschlange. Kurz vor Kursbeginn erhielt ich die Meldung, dass ein Platz frei geworden ist.

Nach dem ersten Kursblock war ich völlig erschlagen. Mir kam es so vor, dass Max die Hälfte des Unterrichts nur Latein sprach. Es wurde doch wirklich erwartet, dass wir jeden Knochen und jeden Muskel auf Latein kennen müssen. Als ob das nicht genug wäre, mussten wir auch noch wissen, wo sich der Muskel am Pferd befindet. :-)

Zurückblickend verstehe ich natürlich die ganze Büffelei. Nur mit diesem Hintergrundwissen ist richtige Osteopathie überhaupt möglich. Man muss wissen, welcher Muskel welche Funktion hat. Nur so kann man herausfinden wo beim Pferd die Blockaden sind. 

Der Körper eines Pferdes funktioniert wie ein Uhrenwerk. Ist dort ein Muskel hyperton, dann sind die Auswirkungen auch an anderen Stellen spürbar. Es ist dann wie eine Art Detektivarbeit, bei der man die einzelnen Problematiken miteinander verbinden muss. Diese Problematiken müssen  behoben werden und man muss herausfinden, weshalb sie überhaupt entstanden sind. Die Ursachen liegen häufig bei falschem Equipment oder ungünstigem Training.

Während der Ausbildung zum Pferde Osteopathen ist noch die Problematik dazu gekommen, dass es im Stall mit den zwei anderen Pferdekollegen nicht klappte. Entweder ich hätte Histany separat halten müssen oder ich suchte für sie einen netten Pferdekumpel.

Es hatte dann nicht geklappt einen Pensionär zu finden, aber mit einem Pferd ans Futter. Der lustige Spanier-Criollo-Mix wurde von nun an das Pferd von meinem Lebenspartner. Von dem Zeitpunkt an, hatten wir zwei Schimmelchen zu betreuen. Die Besitzerin von Elvaro wollte ihn in guten Händen wissen und schenkte uns den tollen Wallach!

Nun sind wir von Flawil nach Mettlen umgezogen. Der Pferdetraum ist perfekt. Wir haben unsere Pferde direkt im eigenen Garten.